Was passiert im Gehirn, wenn wir uns verlieben ?

…….Hormonen und Neurotransmitter auf der Spur.

Im Frühling werden die Tage wieder länger, draußen scheint die Sonne, die Vögel zwitschern und die Kleidung wird luftiger. Eine Zeit in der wir uns wieder mehr öffnen möchten und uns auf die Suche machen, nach dem Menschen mit dem alles möglich ist, der uns sieht, uns versteht und unsere Wünsche teilt.

Spielen jetzt wieder die Hormone verrückt ? und wenn ja, welche und warum ?.

Was ist denn nun wirklich dran an diesem Satz mit den Hormonen. Lassen sich messbare Veränderungen im Blut bzw. auf hormoneller Ebene, speziell im Frühling feststellen, die es mit dem „sich verlieben“ begünstigen?
Die Antwort hierauf ist leider enttäuschend. Messbare Veränderungen lassen sich z.B. jahreszeitlich nicht wirklich zuordnen, sonst müssten ja alle Kinder vornehmlich im Spätherbst und Winter zur Welt kommen. Fakt ist, dass mit einer kleinen Zunahme im Monatsvergleich, die meisten Kinder in den Sommermonaten zur Welt kommen, d.h. Sie zu einem Zeitpunkt gezeugt wurden, an welchem die Tage eher wieder kürzer werden.
Vielleicht verlieben wir uns aber doch in den Frühjahrsmonaten etwas leichter, weil wir durch die vielen positiven äußeren Reize, auch positive innere Assoziationen und Emotionen empfinden, die uns öffnen auf andere Menschen zu zu gehen und uns dann eher zu verlieben.

Lassen sich Veränderungen bei Verliebten im Gehirn nachweisen oder auch sichtbar machen ?

Untersuchungen im “ funktionellen MRT“ haben gezeigt, dass bei einer Demonstration des Partners auf einem Foto, frisch verliebte Partnern tatsächlich Gehirnareale in besonderem Maße aktivieren, die bei der Wahrnehmung von Emotionen eine besondere Rolle spielen. Z.b. der Nukleus accumbens ( accumbere: sich hinlegen, Platz nehmen) eine zentral gelegenen, evolutionsbiologisch sehr alten Hirnstruktur und wichtigen Schaltzentrale, zeigt eine erhöhte Aktivität. Diese Struktur gehört funktionell mit zu unserem “ Belohnungssystems“ und wird auch durch Drogen, wie z.b. Kokain oder Amphetamine, angeregt. In einem direkt benachbarten Abschnitt schließt der Hypothalamus an, der zentrale Steuerungsaufgaben übernimmt. Hier wird einer der Stoffe gebildet, die uns glücklich machen, das Dopamin.
Wenn wir uns verlieben wird dieser Botenstoff u.a. verstärkt gebildet und ausgeschüttet. Dieser wirkt direkt stimulierend auf den genannten Nukleus accumbens und weitere Gehirnanteile der Gefühlswahrnehmung, wie das limbischen System, dem vorderen Anteil des Cingulums und auch fronto-basalen Anteilen des Gehirns. Wir fühlen uns in diesem Zustand “ wie berauscht, oder wie „unter Drogen“, von unserem Lustobjekt magisch angezogen, wobei sich unsere ganze Aufmerksamkeit auf die eine Person fokussiert.

Warum schlägt z.B. auch unser Herz schneller, weiten sich die Pupillen und wir fangen an zu schwitzen, wenn wir verliebt sind ? .

Auch dieses ist Ausdruck eines zentral gesteuerten Anpassungs-Manövers an diese Ausnahmesitaution, durch ein weiteres Hormon, dem Stresshormon Adrenalin. Adrenalin wir auch in Extrem- oder Notfallsituationen vom Gehirn ausgeschüttet, um uns ganz wach, leistungsfähig und reaktionsfähig zu machen. Der Verliebte muss nur noch wenig essen und trinken, geschweige denn schlafen, um sich mit seiner Aufmerksamkeit ganz dem Partner zu widmen.
Wenn das Liebesobjekt einmal für einen kurzen Moment nicht zur Verfügung steht, kann der Verliebte eine Depression entwickeln oder ihn quält, mit anderen Worten, der Liebeskummer. Hier spielt wahrscheinlich ein anderes Hormon eine wichtige Rolle, das Serotonin, welches in diesem Zustand vermindert ausgeschüttet wird und hier auffällig niedrige Blutspiegel messbar sind. Bei Menschen, die an einer Depression oder Zwangserkrankungen leiden, lassen sich ähnlich niedrige Spiegel nachweisen. Dieses erklärt, warum wir uns fast zwanghaft, im Mittel bis zu vier Stunden am Tag, mit unserer vollen Aufmerksamkeit mit der dieser Person kognitiv und emotional auseinandersetzen.

Wichtige Botenstoffe sind auch das Phenethylamin und die Endorphine, die vom Hypothalamus und dem Tegmentum (übersetzt mit „Haube“ ) des Mittelhirns freigesetzt werden. Das Phenethylamin verstärkt die Farbe unserer „rosaroten Brille“ bzw. die Empfindungen und Anziehung für den Partner. Endorphine sind körpereigene Opiate, die uns berauschen, schmerzunempfindlich machen und Lustgefühle vermitteln.

Anteile des Gehirns, die für die rationale Einschätzung und Bewertung der Persönlichkeit des Partners zuständig sind, das fronto-temporales Netzwerk und Abschnitte des Vorderhirns, zeigen in diesem Zustand eine verminderte Aktivität, um wahrscheinlich mögliche Schwächen oder Fehler, des Partners weniger zu sehen oder besser noch auszublenden.

Der sogenannte Mandelkern mit der wir Angstempfindungen generieren und verarbeiten ist ebenfalls in seiner Aktivität deutlich zurück gefahren, so dass sich der Verliebte eher zu einem risikoreicheren Verhalten verleiten lässt, um den Partner zu beeindrucken und für sich zu gewinnen.
Woran ist die Spezies “ verliebter Mensch “ in seinem Verhalten zu erkennen ? Es handelt sich um eine Person die z.B. für lange Zeit abwesend ins Leere schaut, dann plötzlich von einem Redeschwall heimgesucht wird, um dann wenig später irgendwelche, verrückten Dinge zu tun.

Die beschriebenen Prozesse und Vorgänge beeinflussen sich wechselseitig, unterhalten und verstärken sich, wobei einer solcher Zustand Wochen bis max. 2 Jahre anhalten kann. Verliebt zu sein bedeutet aber auch sich eigentlich in einer permanenten Stresssituation zu befinden, welches energetisch und physiologisch viele Resourcen verbraucht und von dem Betroffenen nur begrenzt durchgehalten werden kann. Irgendwann fährt das Gehirn die angegebenen Botenstoffe wieder zurück, um regulatorisch das System wieder in ein Gleichgewicht zu bringen.

Ist die Phase des Verliebtseins vorüber, schließt sich die wichtige Phase der Stabilisierung und Konsolidierung der Partnerschaft an. Erstmalig stellen sich aber auch Konflikte ein, die im “ Machtkampf “ als Ausdruck unserer Bedürfnisse und Wünsche mit dem Partner erlebt werden. Damit wir in unserer Beziehung gesehen, gehört und zusammen weiter wachsen, sind verschiedene Prozesse wichtig, die die Bindung zwischen den Partnern verstärken können.
Die wunderbaren Methoden aus der Imago- Therapie können den Partner helfen, dass Auseinandersetzungen zu Wachstumschancen werden und Verbindung entsteht. Im vorderen Anteil des Hypothalamus wird das Oxytocin oder „Bindungshormon“ ausgeschüttet. Solange in einer Beziehung die Art und Weise wie miteinander kommuniziert wird stimmt, sollte immer genügend von diesem Bindungsstoff vorhanden sein, der die Partner näher zusammen bringt und hält. Dann entsteht aus dem Zustand des Verliebtseins, dass was wir Liebe nennen und uns so sehr wünschen.

(Quellen u.a. : aus “ Der Beobachter“ 2014, Liebe ist Biochemie – und was noch? Dr. Christian Wolf 2.4.2013, Kosmos im Kopf. Info, Liebe – ein Grundnahrungsmittel, Ulrich Pontes 2013, Kosmos im Kopf. Info; Wissen.de/Lexikon/Pheromone?, Wissen.de/Lexikon/Neurotransmitter?,
Bild:http://physiologie.cc/pleasure_cent.jpg

Dr. med. Lars Bonowski
Dr. med. Lars Bonowski